Jagt der Jäger nur um zu töten?

Das Ziel der Jagd ist die Beute, nicht das Töten und obwohl das „Beutemachen“ untrennbar mit dem Tod verbunden ist, gibt es keinen Jäger, der jagt, um getötet zu haben. Der Tod des Tieres allein bedeutet dem Jäger nichts. Wenn z.B. ein Stück Wild tödlich getroffen abspringt und nicht mehr gefunden wird, erlebt der Jäger dies emotional als moralische Niederlage; obwohl das Kriterium des Todes zur Gänze erfüllt ist. Der Jäger empfindet den Tod ohne Beute als einen sinnlosen Tod, eine Tötung ohne vernünftigen Grund, eine Verschwendung.

 

Das Schlusswort soll der große Philosoph Ortega y Gasset haben:

 

In der universalen Tatsache der Jagd äußert sich ein faszinierendes Geheimnis der Natur: die unerbittliche Rangordnung unter den Lebewesen. Jedes Tier befindet sich im Hinblick auf ein anderes in einer Beziehung der Überlegenheit oder Unterlegenheit. Die vollkommene Gleichheit ist überaus unwahrscheinlich und anormal. Das Leben ist ein schrecklicher Wettkampf, ein grandioser und grausamer Wettbewerb. Die Jagd taucht den Menschen bewusst in dieses gewaltige Geheimnis ein, und deshalb hat sie etwas von der religiösen Erregung und dem Ritus, in dem man das, was die Naturgesetze an Göttlichem, an Transzendentem enthalten, verehrt.“